Prof. H. Lukesch, Univ. Regensburg
Vortrag:
Korrelation oder Kausalität?
Die Aussagemöglichkeiten der Medienwirkungsforschung
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Prof. H. Lukesch, Univ. Regensburg
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Abstract Vortrag
Methodische Überlegungen zur Wirkung elektronischer Medien auf Kinder und Jugendliche
Ein substantieller Mangel in der öffentlichen Diskussion über Medienwirkungen bezieht
sich auf die Unkenntnis in Bezug auf methodische Standards, die in den
Sozialwissenschaften als Sachkriterien für eine wissenschaftlich akzeptable Aussage
gelten. In Laienkreisen finden sich naturgemäß nur sehr rudimentäre Kenntnisse über
statistisch-methodische Wege der Erkenntnisprüfung, was aber im Alltag kein Hindernis
ist, subjektive Überzeugungen als wis-senschaftlich fundiert zu empfinden.
Auch Medienschaffende sind hier keine brauchbare In-formationsquelle, da sich diese
allenfalls den Standards einer Werkkategorie verpflichtet füh-len und ebenfalls nur
subjektive Wirkvermutungen äußern können.
Im Bereich der medienwissenschaftlichen Forschung kann das bekannte Arsenal statistischer
Methoden zum Zwecke des Erkenntnisgewinns eingesetzt werden. Dieses geht weit über die
Feststellung von Korrelationen nullter Ordnung hinaus, wie aber immer wieder be-hauptet
wird. Labor- und Feldexperimente, die starke kausale Interpretationen zulassen, sind hier
ebenso zu finden wie komplexe Feldstudien, in denen sowohl bei quer- vor allem auch in
längsschnittlicher Anlage durch den Einsatz von Pfadanalysen oder weiterer
Modellbildungsverfahren Ursache- und Wirkungsbeziehungen und auch bidirektionale
Abhängigkeiten her-ausgearbeitet werden können.
Da zusätzlich durch Metaanalysen eine hohe Konsistenz der Befunde zu medialen
Gewaltwirkungen herausgestellt werden konnte, sollte es in einer
wissenschaftsorientierten Gesellschaft naheliegend sein, sich auch bei politischen
Entscheidungen an den mit diesen Routinen gesicherten Befunden und den daraus folgenden
Erkenntnissen zu orientieren.
Ausgewählte Literatur:
Lukesch, H. (2008). Sozialisation durch Massenmedien. In K. Hurrelmann, M. Grundmann & S.
Walper (Hrsg.), Handbuch Sozialisationsforschung (7. Aufl.) (S. 384-395). Weinheim:
Beltz.
Lukesch, H. (2005). Wirkungen gewalthaltiger Video- und Computerspiele. In R. Hänsel &
R. Hänsel (Hrsg.), Da spiel ich nicht mit! Auswirkungen von "Unterhaltungsgewalt" in
Fernsehen, Video- und Computerspielen - und was man dagegen tun kann. Eine Handreichung
für Lehrer und Eltern (S. 119-135). Donauwörth: Auer.
Lukesch, H., Bauer, C., Eisenhauer, R. & Schneider, I. (2004). Das Weltbild des
Fernsehens. Eine Untersuchung der Sendungsangebote öffentlich-rechtlicher und privater
Sender in Deutschland. Band I: Ergebnisse der Inhaltsanalyse zum Weltbild des Fernsehens
(Zu-sammenfassung). Expertise über die Gewaltwirkungen des Fernsehens und von
Computerspielen. Regensburg: Roderer.
Lukesch, H. (2003). Violence and the Media. In W. Heitmeyer & J. Hagan (Hrsg.),
International Handbook of Violence Research (S. 511-541). Dordrecht: Kluwer Academic
Publishers.